GFK FÜR GRUNDSCHÜLER

Ein „Bitte“ ändert vieles

Lernstraße für Kinder - Methode für Gewaltfreie Kommunikation

 

Bedürfnisse. Es klingt  merkwürdig fremd, dieses Wort, vorgelesen von Kindern aus Afghanistan, Syrien und dem Irak. Dabei geben sich die Sieben- bis Neunjährigen alle Mühe, es richtig auszusprechen. Sie können schon gut Deutsch, verstehen vieles. Aber ob  und was sie  mit dem Begriff „Bedürfnis“ anfangen können, werden sie selbst erst herausfinden müssen. An den beiden Projekttagen im Flüchtlingsheim des Union-Hilfswerkes in Berlin-Pankow geht es genau darum: um sie selbst und ihre Bedürfnisse.

Barbara Erbe, Melanie Schwarzwald und ihre Helfer haben in dem hellen Gruppenraum, der an anderen Tagen als Nähstube dient, einen grünen Teppich ausgelegt und darauf mehrere Karten in Form einer Straße platziert. Start und Ziel sind von Kuscheltieren besetzt: der Wolf am Anfang, am Ende die Giraffe - die Symbole für das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation, verknüpft mit dem Modell der Lernstraße.

Für  Barbara Erbe ist dies das Pilotprojekt. Die Methode hat sie allerdings schon vor Jahrzehnten gemeinsam mit Ulli Becker-Dippel und Gudrun Erbe für die Integrationsförderung von Jugendlichen entwickelt. „Lernblockaden zu überwinden und dadurch Lernerfolge zu erzielen, erhöht die Motivation“, beschreibt die 67-Jährige das Ziel und die eigenen Erfahrungen. „Eine Erkenntnis aus der Arbeit mit Siebt- bis Zehntklässlern in Brandenburg ist die, dass man früher ansetzen muss, wenn Veränderungen dauerhaft und prägend sein sollen“, so Barbara Erbe. Und Anknüpfungspunkte gibt es reichlich: Konzentrationsschwierigkeiten, Leseschwächen, Traumatisierungen. Gut lernen lässt sich damit nicht.

Aber da gibt es ja noch die Neugier. Die haben auch die Flüchtlings-Kinder nicht verloren. Eifrig beantworten sie Fragen, denken sich Rollenspiele aus, freuen sich über jeden Stempel, der in ihrem GFK-Pass belegt, dass sie eine weitere Station der Lernstraße absolviert haben. Sie wissen am Ende, dass Gewalt nicht nur körperlich, sondern auch mit Worten ausgeübt werden kann, dass sie ihre Umgebung anders wahrnehmen als ihr Freund oder ihre Eltern, dass man um etwas bitten kann, anstatt es zu fordern. Manchmal „knurrt der Wolf“ noch gut vernehmlich, es klingt nach arabischen Schimpfwörtern. Auf  der Lernstraße wird natürlich nicht zurückgeschimpft. Da wird gefragt: Was ärgert dich gerade? Bist du traurig, sauer oder wütend? Was kann ich tun, damit es dir besser geht?

„Viele Kinder haben Gewalt erlebt, zu Hause und auf der Reise“, sagt Valentina Colla. In dem Flüchtlingsheim in Pankow ist die aus Italien stammende Erziehungswissenschaftlerin und Grundschullehrerin für die Kinderbetreuung - nach Schule und Kita - zuständig. Sie kennt eine Menge Geschichten, die oft ganz beiläufig erzählt werden und bei denen vielen Menschen die Luft wegbleiben würde. „Ich kann nicht alles in Ordnung bringen“, sagt Valentina Colla. „Nur dafür sorgen, dass die Kinder Kinder sein dürfen, willkommen sind und respektiert werden.“ Über das GFK-Projekt - ehrenamtlich, wie so viele andere Hilfsangebote im Flüchtlingsheim - war die 39-Jährige deshalb besonders erfreut. „Ich bin positiv überrascht, wie liebevoll und mit wie viel Respekt und Wertschätzung die Kinder behandelt werden“, so Valentina Colla.

Diese Lernstraße hat Barbara Erbe und ihren Mitstreitern einiges an Erkenntnissen gebracht. Zum Beispiel, wie lange - oder wie kurz - die Konzentration anhält, wie oft die Kinder Ablenkung und Aktivierung brauchen, wie wichtig es ist, die Eltern und Lehrer einzubeziehen. Sie werden auf jeden Fall darauf vorbereitet, dass ihre Kinder und Schüler plötzlich Bedürfnisse formulieren können und was sie meinen, wenn sie von der Wolfs- und der Giraffensprache reden.

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